REISE ZUM SINN

ist die grundlegende Dynamik interessant, die das Ganze hat, und die zeigt sich im Luxussektor praktisch als Erstes.
Zu dieser sozialen Dimension des Luxus kommt eine sehr starke spirituelle Dimension hinzu. Ohne philosophisch zu werden genügt die Beobachtung, dass es immer mehr Menschen gibt, denen es wichtig wird, Ruhe, Zeit oder auch ungestörten Raum für sich zu haben und zur Besinnung zu kommen. Die ganze Slow- Bewegung ist eigentlich dieser Appell an Besonnenheit, was ja eine sehr spirituelle Dimension ist. Beides zusammen, das Soziale und das Spirituelle, sind die eigentliche Kraft, die wegführt vom klassischen materiellen Luxus.

Sie verwenden Begriffe wie sozial und spirituell, um den neuen Luxus zu charakterisieren. Lässt sich in diesem Zusammenhang denn auch von einem veränderten Verständnis von Schönheit sprechen?

N.B. Ja, im Grunde kann man das zu dem analog führen, was wir schon gesagt haben. In der Antike gab es Schönheitsbegriffe, die sehr viel anspruchsvoller waren als der konsumistische Schönheitsbegriff, der im Grunde an stereotypen Massengeschmacksidealen orientiert ist. Ich will ein Extrem benennen, nämlich die

alte antike Vorstellung vom Agalma.

Das ist der Gedanke, dass es kleine Statuen gibt, in denen versteckt eigentlich die wahre Statue ist, in der äusseren Schönheit steckt also noch eine viel tiefer gehende Schönheit. Das war oft rein metaphorisch gemeint und man hat damit beispielsweise zum Ausdruck bringen können, dass ein so hässlicher Mensch wie Sokrates aufgrund seines Geistes und seines Lebensverständnisses eine sehr viel grössere Schönheit gehabt hat als die mit ihm konkurrierenden grandiosen Sophisten, die nicht nur die schönere Rede im trivialen Sinne gepflegt haben, sondern die ihm auch in ihrem körperlichen und

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